Werkzeugkasten
Nicht jeder Ablauf braucht ein großes Produkt. Oft reicht ein eigenes, kleines Werkzeug, das genau einen Prozess abbildet: schneller, strukturierter und so anpassbar, wie die Aufgabe es verlangt. Hier eine Auswahl. Viele weitere Tools zeige ich nicht, weil sie nur für einen Moment gebaut wurden oder in Bereichen liegen, die nicht hierher gehören.

Ausgangslage
Standardsoftware deckt den Durchschnitt ab. Sobald ein Ablauf davon abweicht, etwa ein 24-Stunden-Event mit Dutzenden Beteiligten in mehreren Zeitzonen, wird es kompliziert: mehrere Tools, Tabellen, Abos mit spürbaren monatlichen Kosten und trotzdem kein gemeinsamer Blick. Mit KI-gestützter Entwicklung ist ein passendes Werkzeug inzwischen oft schneller gebaut, als ein fremdes eingerichtet ist. Das ist keine Rocket Science, aber es macht meine Arbeit effizienter, und genau dieses Denken lässt sich auf Abläufe in Unternehmen übertragen.
Die Werkzeuge
Event-Portal fürs Team
Für einen 24-Stunden-Livestream mit Sprechern und Moderatoren rund um den Globus gab es kein Tool, das den Ablauf so abbildete, wie wir ihn brauchten, oder nur sehr umständlich. Also habe ich das Portal selbst gebaut: ein Mini-CRM für die Ansprache, eine Mini-Eventverwaltung für den Sendeplan und ein Mini-Aufgabenboard für das Organisationsteam. Alle Beteiligten sehen dieselben Infos, auch ihre Sendezeiten in der eigenen Zeitzone.
- Kanban in sechs Phasen von Kandidat bis Zusage oder Absage, mit Kanal der Ansprache und Absagegrund
- 24-Stunden-Sendeplan per Drag & Drop: Sprecher, Moderation und Ersatz je Stunde, Ortszeiten für fünf Zeitzonen
- Personenliste mit Filtern und Lücken-Checks, etwa „bestätigt, aber ohne Sendeplatz“ oder „aktiv, aber ohne E-Mail“
- Zwei Organisatoren arbeiten gleichzeitig auf einer Datenbank, das Änderungsprotokoll zeigt, wer was wann geändert hat
Screenshots mit Demo-Daten: Namen, Handles und Adressen sind erfunden.




Persönlicher KI-Assistent
Als eigenen Assistenten nutze ich einen Open-Source-Agenten, der bei mir läuft, im Chat auch vom Smartphone aus erreichbar ist und mit meinem Google-Konto arbeitet. Beim 24-Stunden-Event mussten viele fast gleiche E-Mails an viele Menschen raus, über meinen eigenen Account. Ich habe dem Assistenten nur wenige Angaben gegeben. Er hat die E-Mails formuliert, mir zur Prüfung vorgelegt, Rechtschreibfehler korrigiert oder mich darauf hingewiesen und nach meiner Freigabe selbst versendet.
- Arbeit, die sonst eine halbe bis ganze Stunde gedauert hätte, war in rund fünf Minuten erledigt
- Jede E-Mail geht erst nach meiner Freigabe raus
- Hilft auch im Alltag beim Schreiben, Sortieren und Nachfassen von E-Mails
Archiv für „später ansehen“
Ich konsumiere viele Fachinhalte, schaffe aber nicht alles sofort. Lesezeichen im Browser werden schnell unübersichtlich. Deshalb habe ich mir eine kleine Datenbank dafür gebaut: Link einfügen, Titel, Kanal und Vorschaubild kommen automatisch. Danach tagge ich nach Themen, sammle in Listen und schiebe im Wochen-Board von Inbox über Queued und Watching bis Done. Angesehen wird direkt im Portal.
- Quellen: YouTube, X, Telegram und beliebige Websites
- Volltextsuche über Titel, Kanal und eigene Notizen
- Smart Lists als gespeicherte Filter nach Themen
- Wiedergabe in einem Tab, der beim Weiterklicken bestehen bleibt
- Läuft lokal mit SQLite, ohne Konto und ohne Cloud
Titel, Kanäle und Vorschaubilder für die Screenshots unkenntlich gemacht.



Chat-Bot statt Abo-Plattform
Chat-Bots für Vertrieb und Marketing gibt es als Plattform, oft für viel Geld im Monat. Für eine Community habe ich einen bestehenden Bot-Ablauf aus so einer Plattform exportiert und als eigenen Telegram-Bot nachgebaut. Er führt mit Buttons durch Menüs, stellt Fragen, speichert die Antworten, ruft bei Bedarf eine Schnittstelle auf und meldet neue Kontakte direkt an den Admin. Das Prinzip trägt auch in Unternehmen: ein Ablauf nach dem Muster „wenn, dann“, direkt im Chat, mit Vorschlägen für den nächsten Schritt.
- Ablauf als Datei: Nachrichten, Buttons, Fragen und Webhooks kommen aus dem Export der alten Plattform
- Bestehende Kontakte übernommen, Rundnachricht an alle per Admin-Befehl
- Neue Anfrage mit Name und Button zum Gespräch direkt beim Admin
- Am selben Tag live, läuft in einem kleinen Container in Frankfurt
Oberfläche für KI-Stimmen
Manches geht bei ElevenLabs nur über die API oder ist dort flexibler als im eigenen Portal. Für die API braucht man aber eine Oberfläche, also habe ich sie gebaut: Video hochladen und in eine Zielsprache synchronisieren lassen, Text zu Sprache mit Stimme, Modell und Feinabstimmung, ein Live-Modus, der schon beim Tippen spricht, und ein Rechner, der die Credit-Kosten vorab schätzt.
- Video-Synchronisation ohne Wasserzeichen, Ergebnis als Download
- Drei Sprachmodelle, Stabilität, Ähnlichkeit und Stil regelbar, Download als MP3
- Live-Modus: Der Text wird an Satzenden und Tipppausen geteilt und nacheinander gesprochen
- Der API-Schlüssel bleibt auf dem Server, alle Aufrufe laufen über eigene Routen



Und vieles, was ich nicht zeige
Dazu kommen viele Dashboards, die etwas auswerten, analysieren oder mir Hilfestellung geben, und Helfer, die nur für einen bestimmten Moment gebaut wurden. Das Denken dahinter ist immer dasselbe: Wo kostet ein Ablauf unnötig Zeit, und wie sieht das kleinste Werkzeug aus, das ihn löst?
Was sie verbindet
- 1Genau ein AblaufJedes Werkzeug bildet einen konkreten Prozess ab, nicht mehr. Dadurch bleibt es ohne Einarbeitung bedienbar.
- 2Schnell gebautVom Bedarf zum laufenden Werkzeug vergehen oft nur Tage. Der Telegram-Bot lief am selben Tag, an dem ich angefangen habe.
- 3Wächst mit dem AblaufÄndert sich der Prozess, ändert sich das Werkzeug mit. Kein Warten auf ein Update, kein Umweg um fremde Konzepte.
- 4Unterwegs erreichbarViele meiner Werkzeuge sind über einen Chat-Bot oder meinen KI-Assistenten mit dem Smartphone verbunden.
- 5Daten bleiben bei mirLokale Datenbank oder eigene Instanz statt einer weiteren Plattform, die Kontakte und Inhalte sammelt.
- 6ÜbertragbarVertrieb, Marketing, Events, Teamabstimmung: Dieselben Muster tragen auch in Unternehmen, oft mit vorhandenen Systemen verbunden.
Technik
- JavaScript + Neon Postgres
- Next.js, TypeScript
- SQLite mit Volltextsuche
- Python, Telegram Bot API
- ElevenLabs API
- Open-Source-Agent
- Vercel, Fly.io